Jan Škrdlík – Violoncello

J. S. Bach – 6 Suiten (das Album)


IMPRINT /// TITLE: Johann Sebastian Bach: Cello Suites 1–6 • LABEL/CONTACT: Art Petra Production © 2013, www.artpetra.cz, tel.: +420 603 520 227 • INTERPRETER: Jan Škrdlík, Cello • RECORDING ENGINEER: Jürgen Costede • MASTERING ENGINEER: Petr Øezníèek • TEXT: Jan Škrdlík • ENGLISH TRANSLATION: Sára Longová • GERMAN TRANSLATION: Štìpán Odstrèil • COVER DESIGN: Jan Škrdlík • COVER PHOTO: Vítìzslava Škrdlíková • RECORDING LOCATIONS: Church of Bursfelde Abbey, Germany (Suites Nr. 2–6); Church of the Blessed Virgin Mary in Vranov u Brna, Czech Republic (Suite Nr. 1)

6 SUITEN FÜR VIOLONCELLO SOLO VON J. S. BACH

Suite Nr. 1 D-Dur, Preludium

Die sechs Suiten für Violoncello soloJan Škrdlík und Bachs CellosuitenSuite Nr. 1Suite Nr. 2Suite Nr. 3Suite Nr. 4Suite Nr. 5Suite Nr. 6

Johann Sebastian Bach hat die sechs Violoncello-Suiten dieser Aufnahme in den Jahren 1717 bis 1723 für den Gambisten der Köthener Hofkapelle Christian Ferdinand Abel komponiert. Abel hatte sich entschlossen, auch das Cellospiel zu erlernen. Musikalisch wurden die Suiten beginnend mit dem spieltechnisch Einfachen bis hin zum Schwierigsten konzipiert, also in der Art wie später dann sogenannte Etüden. So sind sie in den folgenden Generationen von den Cellisten als spieltechnische Übungen auch eingeschätzt worden. Erst sehr viel später ist ihre wahre Grösse erkannt und für den Konzertsaal erschlossen worden. Noch Robert Schumann meinte, nur durch eine Klavierbegleitung, die er 1852 eigens komponierte, würden sie dem öffentlichen Musikleben zugänglich werden. Erst als der grosse spanische Virtuose Pablo Casals sie 1889 für sich entdeckte und nach 12-jährigem intensivem Studium erstmals in Barcelona 1901 und dann später immer wieder öffentlich aufführte, wurden sie in aller Welt bekannt. Heute werden die Suiten musikalisch und kompositorisch als Gipfel der Violoncello-Literatur bewundert.

Mein Weg zu den Bach´schen Violoncellosuiten begann in Kinderschuhen. Mein erster Lehrer im Cellospiel, Miroslav Doležil, seinerseits übrigens ein Schüler von Bohuš Heran, einem begeisterten Verehrer der Bach´schen Musik, schenkte mir zwei von ihm kopierte Kassetten mit Einspielungen von Pablo Casals und János Starker. Ich sollte sie vergleichen und – so war wohl die Absicht meines Lehrers – diejenige von Starker der Casals vorziehen. Es kam aber anders: Die so einfühlsame, phantasievolle und tiefgründige Interpretation Casals ging mir zu Herzen, während mich das Spiel Starkers kühl ließ. Meine Schwester, die zufällig die Aufnahme von Casals gefunden und vermutetet hatte, es sei mein Spiel, meinte: „Du spielst den Bach gut aber intonierts unsauber...“

Nach der Grundschule hatte ich mich noch nicht für eine Musikerlaufbahn entschieden, trat während meiner Gymnasialzeit nur auf der lokalen Folkszene als Musikant auf, zu Hause aber übte ich die Suiten von Bach. Und als ich auf einem Folkkonzert gebeten wurde, auf dem Cello etwas vorzuspielen, wählte ich - was mir das Nächste war – die Suite G-Dur von Johann Sebastian Bach. Überraschenderweise hatte ich damit bei meinen von klassischer Musik sonst ganz unberührten Altersgenossen großen Erfolg. Und das gab mir den entscheidenden Impuls, mich – was ich noch kurz zuvor verworfen hätte – am Konservatorium zu bewerben, damals 17 Jahre alt.

Nach dem Abschluss des Studiums spielte ich dann in jedem meiner Solokonzerte, sofern es die Umstände erlaubten, die Suiten. Ich möchte nicht zählen, wie viele Aufführungen dies waren, es mögen einige Hunderte gewesen sein. Ein Konzert mit der deutschen Cembalistin Barbara Maria Willi im Jahre 1995, auf dem ich die Suite G-Dur vortrug, war allerdings etwas Besonderes. Denn zugegen war Prof. Dr. Jürgen Costede, der Gründer der Deutschen Musikinstrumentenstiftung. Er hat einen ausgeprägten Sinn für den Klan der Streichinstrumente. Und er war es, der mir vorschlug, die Suite G-Dur von Bach auf Tonträger einzuspielen. Die erste Aufnahme, übrigens mit meinem eigenen Instrument aus der Werkstatt von Adam Emanuel Homolka (Anno 1842 op. 20) fand im Jahre 1997 in der Paulanerkirche in Wranau (Vranov u Brna, Tschechien) statt. Und das war der Anfang für die Aufnahme aller sechs Bach´schen Solosuiten für Violoncello über viele Jahre bis hin zu 2013.

Im Jahre 2000 entstand in der romanischen Klosterkirche von Bursfelde die Aufnahme der Suite c-Moll mit einem Instrument von Vincenzo Truisano Panormo (fecit / Anno 1774 / Armi di Palermo), dann in der Santini-Kirche auf Zelená Hora bei Žïár nad Sázavou die C-Dur Suite mit einem Instrument von Carlo Tononi Bolognese (Fece in Venezia l’A: 1728). Im Jahre 2002 wurden diese Aufnahmen zusammengestellt und von dem Gnosis-Verlag als CD herausgegeben. Die positive Kritik und der Umstand, dass nicht nur die erste sondern auch die zweite Auflage der CD vergriffen waren, veranlasste uns, auch die übrigen drei Violoncello-einzuspielen. Wegen ihrer herausragenden Akustik entstanden diese Aufnahmen in der Klosterkirche von Bursfelde. Der Klang in diesem wundervollen Kirchenraum, die Stille der Nacht versetzen den Spieler in andere Sphären. Dies und die großzügige Gastfreundlichkeit des Ehepaars Costede, in dessen Haus ich in dieser Zeit sein durfte, empfinde ich als den entscheidenden Beitrag meiner vorliegenden Einspielung.

Zum besseren Verständnis gehe ich auf die einzelnen Suiten in der Reihenfolge ihrer Katalognummern ein, von der ersten bis zur sechsten.


SUITE Nr. 1 G-DUR, BWV 1007 ↑ Page Up ↑
Diese Suite habe ich als erste am 17. März 1997 in der Paulanerkirche in Wranau (Vranov u Brna, Tschechien) mit dem Instrument von Adam Emanuel Homolka (Anno 1842 op. 20) eingespielt. Ich hielt das Violoncello so, wie es seinerzeit üblich war, ohne Stachel zwischen den Beinen. (Einen Stachel zu verwenden, wurde erst in den 80er Jahren des 19. durch den Cellisten Jules Delsart eingeführt.) Der Kammerton a lag bei 415 Hz. Ich spielte mit einem Pfretschner-Bogen.

SUITE Nr. 2 D-MOLL, BWV 1008 ↑ Page Up ↑
Diese Suite wurde in der Nacht vom 26. auf den 27. September 2007 in der Klosterkirche in Bursfelde mit einem Violoncello von Giuseppe Ceruti (me fecit / Cremone 1808) eingespielt. Es ist wohl das einzige Instrument aus dem Zeitalter des Klassizismus, das ich je spielte. Um mich mit dem (für mich vorher ungewohnten) Charakter des Instrumentes anzufreunden, wählte ich den Kammerton a 442 Hz und entschied mich für die Kopie eines Bogens aus Bachs Zeit, die mir ein holländischer Kollege vor fünfzehn Jahren ausgeliehen hatte. Hiermit möchte ich mich bei ihm, der mir den Bogen seither belassen hat, bedanken. Er wurde auf diese Weise eigentlich zu einem Sponsor vieler meiner Konzerte und Aufnahmen. Ich habe das Instrument zwischen den Beinen gehalten und ohne Stachel gespielt. Diese Haltung und dazu das ältere Modell des Bogens haben sich auf die Artikulation ausgewirkt. Dies hilft dem Hörer, sich in dem komplizierten Gewebe des Bach´schen Kontrapunkts nicht zu verlieren.

SUITE Nr. 3 C-DUR, BWV 1009 ↑ Page Up ↑
Für die im Jahre 2002 erschienende CD mit Suiten von J. S. Bach war die Suite Nr. 3 im Jahre 2001 in der Santini-Kirche auf Zelená Hora bei Žïár nad Sázavou aufgenommen worden. Um jedoch für die vorliegende CD einen homogenen Klang zu erzielen, haben ich die 3. Suite am 25. und 26. Juni 2013 in Bursfelde erneut eingespielt. Dafür habe ich ein Violoncello vom Anfang des 19. Jahrhundert von einem unbekannten Geigenbauer (Anonymus) benutzt, und zwar mit einem Stachel auf dem Boden, Kammerton a 442 Hz, mit einem eigenem Bogen aus der Werkstatt von Milan Oubrecht.

SUITE Nr. 4 ES-DUR, BWV 1010 ↑ Page Up ↑
Dieses Stück ist in den Nächten vom 17. auf den 18. und vom 18. auf den 19. August 2009 aufgenommen worden, wieder mit dem Instrument von Giuseppe Ceruti (me fecit / Cremone 1808). Ich habe dieselbe Spielhaltung und denselben Bogen wie bei der Einspielung der 2. Suite d-Moll gewählt. Das Cello stimmte ich auf den Kammerton a 415. Das Präludium habe ich jedoch durch eine vier Jahre später am 26. Juni 2013 aufgenommene Fassung ersetzt. Ich wollte das Präludium mit einer Umstimmung der A- und der D-Saite, die ich um einen halben Ton auf die Töne „b“ und „es“ heraugesetzt hatte, spielen. Die dadurch neu entstandene Kombination der leeren Saiten (sog. Skordatur) verleiht dem Instrument im Rahmen der verwendeten Tonart eine sehr eindrucksvolle Klangfarbe, vor allem beim Spielen der tieferen Töne. Das zu erreichen, war auch der Grund für die barocken Skordaturen, die spätere Musiker nur als Mittel zu einer leichteren Spieltechnik betrachtet haben. Für diese neue Einspielung des Präludiums verwendete ich wieder die oben genannte Kopie eines barocken Bogens und das Instrument (Anonymus) aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts. Ich spielte das Violoncello mit einem Stachel. Der Kammerton lag bei 415 Hz.

SUITE Nr. 5 C-MOLL, BWV 1011 ↑ Page Up ↑
Die Suite wurde in Bursfelde in der Nacht vom 28. auf den 29. Mai 2000 auf einem Instrument von Vincenzo Trusiano Panormo (fecit / Anno 1774 / Armi di Palermo) eingespielt, in derselben Haltung und mit demselben Bogen wie bei den Aufnahmen der Suiten d-Moll und Es-Dur. Das Cello stimmte ich auf den Kammerton a 442 Hz und respektierte dabei die von Bach vorgeschriebene Skordatur, die die Umstimmung der A-Saite um einen Ton tiefer auf „g“ erfordert.

SUITE Nr. 6 D-DUR, BWV 1012 ↑ Page Up ↑
Diese Suite wurde für das sog. Violoncello piccolo, ein Cello, das neben der vier C-, G-, D- und A-Saiten noch eine fünfte E-Saite hatte. Dessen Entstehung schrieb man lange Zeit eben J. S. Bach zu, ohne aberdiese These zuverlässig beweisen zu können. Die Komposition, die ich am 25. und 26. Juni 2013 in Bursfelde einspielte, stellt den Spieler mit einem klassischen vierseitigen Cello vor größte Schwierigkeiten. Denn ohne eine E-Saite muss er auf der A-Saite in die höchsten Höhen gehen, was nur mit der Daumenaufsatz-Technik möglich ist. Zu Bachs Zeit war das nicht bekannt. Die Daumenlage hat erst Luigi Boccherini 150 Jahre später entwickelt. Zur Einspielung nahm ich das Instrument von Carlo Tononi (fece in Venezia / A: 1728) und einen eigenen Bogen von dem Bogenmacher Milan Oubrecht. Ich spielte in der modernen Haltung mit einem Stachel, Kammerton a 442 Hz.

Jan Škrdlík


 

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